Auf Seite Eins mit dem Zaunpfahl

Jetzt also mit dem Zaunpfahl in der Streiflicht-Glosse auf der Startseite der Süddeutschen Zeitung! Gestern war es die Startseite von Spiegel.de, der, wie viele andere Zeitungen, einen dpa-Artikel über unsere Preisverleihung übernommen hatte. Anlass: Der Goldene Zaunpfahl – Preis für absurdes Gendermarketing geht 2021 an dm.

Grund zu feiern? Also für uns schon! 😄

Das muss eins erstmal schaffen mit einem Projekt, das 15 Ehrenamtliche in ihrer Freizeit neben Erwerbs- und Care-Arbeit auf die Beine stellen! Ein dicker Dank an das Goldene Team! Das Aber kommt unterm Bild.

(Ja, sorry dieses Foto muss rein, weil so viele Medien in den letzten beiden Tagen lieber das dm-Logo vorführten, anstatt den Gegenstand ihrer Berichterstattung – Werbung für dm statt Werbung für uns – auch dazu mehr im Folgenden.)

Preisübergabe an dm in Leipzig, Bonn und Berlin durch das Goldene Team. Foto klische*esc e.V.

„Das sieht man doch!“

Schade ist, dass das Streiflicht nicht mehr Inhaltliches beiträgt, als die einschlägigen SocialMedia-Kommentare, die wir seit Jahren zum ‘Goldenen Zaunpfahl’ bekommen. Da hätten wir wirklich mehr erwartet, feinere Kritik, härteren Tobak. Es gibt den Preis seit 2017, also ja, wir kennen die Abwehrreaktionen derer, die sich mal eben im Vorbei einen Kommentar rausleiern. Am liebsten sind mir ja die, die Zeile um Zeile um Zeile texten, um schließlich den Beweis zu erbringen, wie unwichtig wir doch seien, um uns zu fragen, ob wir nichts Besseres zu tun wüssten mit unserer Zeit. Genau mein Humor! :D

Die Absender sind fast ausschließlich Männer, die sich herablassend zu einem Thema äußern, zu dem sie offensichtlich keinerlei Hintergrundwissen haben. Denn sie gewinnen mit Leichtigkeit das ‚Bullshitbingo des Gendermarketing‚ und ignorieren leichtfertig all die Studien, die es zum Thema gibt. Sie weisen uns auf die doch so sichtbaren Unterschiede in Kinderzimmern hin, reden die Marktmacht von Unternehmen klein und verwechseln Ursache und Wirkung. SIEHT MAN DOCH in den Kinderzimmern, dass Spielzeug geschlechtersortiert wird. Ja, und jetzt? Weil das so ist, muss es auch so bleiben, und auch ein Zaunpfahl-Team darf den Status Quo nicht in Frage stellen? Oder gar auf den Einfluss der Erwachsenen, der Werbebotschaften, der Medien etc. verweisen?

„Mädchen mögen nun mal Ponys!“

Weil es so ist, dass Jungs nicht ohne Herabsetzung ach so cooler, fremder Väter eine Puppe in die Kita tragen können, sollen wir den Zaunpfahl vergraben?

Weil Mädchen ab Geburt zugeschüttet werden mit pinkem Glitzer und sich nicht noch vorm Spracherwerb erfolgreich dagegen wehren, deshalb muss das so?

Weil also Väter sich in der Überzahl nicht für den eigenen Haushalt zuständig fühlen und einer Frau ihr gesamtes Leben lang im Durchschnitt nur halb soviel Geld zur Verfügung steht wie einem Mann, deshalb sollen wir Werbung für pinke Putzwägelchen und sexistische Baumarkt-Prospekte als Naturgesetz hinnehmen.

Ja, natürlich, Firmen sind machtlos, wenn Mädchen Einhörner wollen. Und wenn, dann sind natürlich allein die Eltern schuld.

Da darf man keinem Drogeriemarkt mit dem Zaunpfahl winken, der Kinder in Feen und Piraten trennt, denn „DIE WOLLEN DAS SO!“

Als ob wir ein Problem mit Einhörnern hätten! :D Aber der Streiflichtmann hat eben keinen Sohn, der Pink mag, er kennt das Problem kleiner Kinder nicht, deren Geschlecht infrage gestellt wird, weil sie sich für das Falsche interessieren. Merke: wenn der Mann das Problem nicht kennt, dann IST es auch keins!

Innerhalb der Firmen gibt es keinen Konsens

Vermutlich glauben die Streiflichter nicht ernsthaft, dass das Interesse ausgerechnet für Ponys oder Polizisten nichts mit Sozialisation zu tun hätte. Aber die Süddeutsche funktioniert da eben wie andere Unternehmen auch: innerhalb des Teams gibt es keinen Konsens (sonst hätte die SZ wohl in den letzten vier Jahren nicht so positiv über uns berichtet – Danke dafür! 🙌), aber diese Uneinigkeit musste heute offenbar einmal besonders herablassend nach außen klargestellt werden.
Aber deshalb gibt es ihn ja, den Goldenen Zaunpfahl, nicht nur, um Eltern und Kita-Fachkräfte zu sensiblilisieren und zu stärken, sondern auch um Argumente zu liefern für die uns gleichgesinnten Menschen innerhalb der Unternehmen.

Mit dem ‚Goldenen Zaunpfahl‘ ist das ausdrückliche Angebot und die herzliche Einladung verbunden, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln für ein Produktangebot und eine Vermarktung jenseits binärer Kategorien, ausgerichtet auf die individuellen Wünsche aller Kund*innen.

https://twitter.com/GoldenerZaun_/status/1463886649591488522?s=20

Thx to the Streiflicht-Man!

Und doch: Wer wären wir, würden wir uns nicht über ein SZ-Streiflicht und seine Reichweite freuen! Schließlich werden wir oft genug darauf hingewiesen, dass wir mit der negativen Publicity des Goldenen Zaunpfahls doch dem Gewinner-Unternehmen nur in die Arme spielen würden. Insofern, Danke an Franz Josef … Rainer … Ulf … Jan … wie auch immer, Streiflicht-Man! 🎉


Zum Weiterlesen, was Kritik an Gendermarketing in anderen Ländern auslöst:

„Ab 2024 sind große Einzelhandelsgeschäfte im Bundestaat Kalifornien dazu verpflichtet, genderneutrale Abteilungen für Spielwaren und Kinderpflegeprodukte einzurichten. Bei Nichteinhaltung drohen Strafen. Es sei die Fortsetzung eines allmählichen Wandels – so beschreibt der kalifornische Abgeordnete Evan Low das von ihm eingebrachte Gesetz… „

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*