Der Teufelskreis des Gendermarketing

Diese Grafik von @GenNeuStore gefällt uns so gut, dass wir uns an den britischen Online-Store gewandt haben, ob wir sie nicht verwenden, übersetzen und über unseren Verein klische*esc e.V. eine Postkarte in Druck geben dürfen, und wir freuen uns sehr über die Zusage und Kooperation (Interview mit Roanna von GenNeu).

Postkarte. Foto: (c) @GenNeuStore und klische*esc e.V.

 

Der Kreis macht anschaulich, dass Eltern nicht alleine verantwortlich sind für die Reproduktion traditioneller Rollenbilder, wenn sie dem Wunsch ihrer Söhne nach „Jungsspielzeug“ nachgeben und ihren Töchtern „Mädchen-T-Shirts“ anziehen. Und dass auch Firmen nicht die Schuld alleine tragen an enger werdenden Rollenbildern, wenn sie die ständigen Nachfragen „Ist das denn für Mädchen?“ und „Kann das auch ein Junge tragen?“ mit klaren Labels beantworten. Und es sind schon gar nicht Kinder, denen Verantwortung angelastet werden kann, wenn sie sich am Männer- und Frauenbild orientieren, das ihnen durch Kommentare, Medien und Werbebotschaften ab Tag eins vermittelt wird.

„So sind sie eben, Jungs mögen eben Autos und Mädchen mögen nun mal Puppen“, antworten uns viele auf Twitter, Facebook oder Instagram, wenn wir Gendermarketing kritisieren und die Anbieter*innen anschreiben, warum sie denn nicht auf ihre „für Mädchen“ / „für Jungen“-Hinweise verzichten. Die o.g. Grafik fordert auf, den eigenen Anteil am Kreislauf zu reflektieren. Denn so einfach ist es nicht. Es wird der Individualität von Kindern nicht gerecht, wenn sie von Erwachsenen über einen Kamm geschert, dies und jenseits der Rosa-Hellblau-Grenze vereinheitlicht werden in DIE Mädchen und DIE Jungs, nur weil die Werbung suggeriert, Jungs mit Puppen und Mädchen mit Autos seien so unglaubliche Ausnahmen.

Wenn Erwachsene enge Normen setzen und im Anschluss merken, dass sie dadurch – oh Überraschung – die Freiheit aller einschränken, können sie nicht ausgerechnet von Kindern erwarten, dass diese von sich aus aus den gesetzten Normen ausbrechen. Es ist ein Kreislauf, der an jeder Stelle durchbrochen werden könnte, doch am schwierigsten ist das in der Situation der Kinder!

Es ist also Sache der Erwachsenen zu überlegen, an welcher Stelle sie aktiv werden und ihn unterbrechen können.

 

Deshalb freuen wir uns über jede Nachricht, die zeigt, dass Menschen ihre eigene Arbeit zu diesem Missstand in Bezug setzen, ihren eigenen Einfluss erkannt haben und aktiv werden!

Alles Gute dafür! #RausausderFalle 💪

> Zur Vereinsseite, auf der die Postkarte bestellt werden kann.

4 thoughts on “Der Teufelskreis des Gendermarketing”

  1. Ich habe auch mal wieder einer schöne Geschichte: Ich engagiere mich bei der Juniorakademie – ein an sich großartiges Konzept. Es geht bei der Junioakademie vor allem um MINT-Fächer: selber machen, erfahren und erforschen. Vor meiner Zeit gab es zwei Chemie Kurse: Chemie für Jungen und Chemie für Mädchen. Zum Glück wurden die Kurse umbenannt: Kosmetiklabor und Chemie: Feuer, Flamme und mehr. Ihr dürft einmal raten, welche Kurs welcher war… In den Köpfen heißen die Kurse leider immer noch Chemie für Mädchen und Chemie für Jungen. Ich habe den Kurs Chemie: Feuer, Flamme und mehr übernommen. Und ich musst wirklich hat dafür kämpfen, dass der Kurs nicht nur offiziell für alle Kinder offen ist, sondern auch tatsächlich Mädchen wie Jungen ansprechen soll. Dabei gab es Sprüche wie: „Jungen brauchen halt mehr Action.“ „Bei Jungen muss es auch mal krachen.“ „Mädchen haben dabei eher Angst.“ So ein Quatsch! MIR (und ich bin eine Frau), hat sowas immer Spaß gemacht! Ich habe den Ausschreibungstext dann umgeschrieben, explizit Mädchen UND Jungen angesprochen, und siehe da – zumindest 5 Mädchen bei 15 Teilnehmern. Und – die Mädchen hatten auch Spaß und fanden es spannend! Also habe ich die Erfolgsstory an das Team vom Kurs Kosmetiklabor weiter gegeben. Kommentare: „Aaach ja, eine Junge würde doch niiiiemals einen Labello selber herstellen wollen, das ist doch eher etwas für Mädchen“ „Jungen in dem Alter würden sowas nie zusammen mit Mädchen machen“. Haben Jungen im Winter keine trockenen Lippen, oder benutzen kein Duschgel, Badesalz oder Körperlotion? Also die Männer die ich kenne, benutzen auch Hygieneprodukte. Warum soll ein Junge denn kein Interesse daran haben, seine Pflegeprodukte selber herzustellen? Ich war einfach nur sprachlos, aber es geht mir nicht mehr aus dem Kopf!

    1. Danke für Dein Erlebnis. Es zeigt mal wieder, wie sehr die Erwartungshaltung der Erwachsenen Einfluss nimmt auf Kinder / Schüler*innen. Schade, dass sich beim anderen Kurs niemand ähnlich bemüht hat! Alles Gute fürs nächste Mal! lg, almut.

    1. Ja und Nein. Wir bestreiten nicht „Die Biologie“ ( – was genau ist damit gemeint?) Die DNA, Hormone, Gehirnaufbau… eines Menschen verändern sich ab Tag Eins und bis ins hohe Alter hinein, schlicht indem wir Leben. Das Verhalten beeinflusst den Körper, der Körper das Verhalten. Was sicher ist: Es gibt kein „natürliches“ Bedürfnis für pinke Putzsets „for girls“, für „Männersalz“, „Ladys-Chips“ oder „Abenteuergeschichten für Jungs“!
      Die Affenstudien werden uns zu oft als Argument weiterverbreitet, ohne dass die Details berücksichtigt werden. Mit deren Kenntnis verlieren sie. Wir haben dazu schonmal was geschrieben: https://rosa-hellblau-falle.de/antworten/#affen

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