Über Füller und Wahlfreiheit

Wir haben Post bekommen. Die Zusammenfassung eines Erlebnisses mit Kind. Eins von vielen, die so täglich an unterschiedlichen Orten immer und immer wieder passieren. Banal? Nur ein kleiner Moment – nicht der Rede wert? Wir finden schon, denn die Summe macht’s!

Hallo!

Mein Sohn, 10 Jahre, lange Haare, und ich wollten einen neuen Füller kaufen (4. Klasse). Wir gingen in unseren örtlichen Schreibwarenladen. Er wollte einen LAMY. Dieses Jahr sind die Limited Editions „violet“, „aquamarine“ und „mango“ als Farbe.

Er ging zielsicher auf „violet“ zu. „Boah, Mama, der ist aber schön!“ Die Verkäuferin sagte: „Das ist aber eher eine Mädchenfarbe!“ Sohn: „Also ICH finde die schön!“

Wir guckten weiter. Er schrieb erstmal Probe wegen der Feder. Dann fand er weinrot toll und am Ende wurde es dann metallic-türkis. Erneut wieder der Hinweis, dieses Mal an mich, dass Füller nicht umgetauscht würden und diese Farbe doch eher von Mädchen gekauft würde und an ihn, ob er sich wirklich ganz sicher sei.

Mein Sohn guckte mich an, guckte die Verkäuferin an und sagte zu ihr: „Farben sind für alle da und ICH finde DEN schön! Ja, den kaufen wir, und den tauschen wir auch nicht um.“

Abends bekam ich dann einen Anruf von der Verkäuferin und sie hat sich entschuldigt. Umtauschen sei immer so viel Aufwand. Und wir hätten ja Recht. Und bei uns sei sie auch sicher, dass wir nicht umtauschen, denn meine Jungs seien ja so fortschrittlich sozialisiert und hätten so viel Selbstvertrauen, dass blöde Kommentare in der Schule sie nicht stören würden.

(Ja, ich habe zwei langhaarige Söhne, der Große bis zum Po, der Kleine bis Mitte Rücken. Frisuren sind nämlich auch für alle da. Und sie entscheiden selbst, wie sie ihre Haare tragen wollen.)

Mit freundlichen Grüßen
Daniela

(voller Name ist uns bekannt. Die Verkäuferin soll hier aber keine öffentliche Kritik abbekommen, denn es geht nicht um sie persönlich, sondern um die Allpräsenz der Rosa-Hellblau-Falle, die sich durch die Strategie des Gendermarketing weit mehr in Verkaufsgespräche drängt, als das in den 90ern und davor der Fall war.)

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